“Führt ein Schulfach Wirtschaft ein” – ABER BITTE NICHT SO!!!

2 07 2011

“Führt ein Schulfach Wirtschaft ein” – das fordert Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Kaminski in einem Essay in der zweiten Ausgabe der Zeitschrift “enorm”. Und nicht nur dort. Der Herr Professor leitet, obschon das Pensionsalter längst überschritten, das Institut für ökonomische Bildung der Universität Oldenburg. Bereits in den 1970er Jahren hat er sich in seiner Dissertation mit wirtschaftsdidaktischen Fragen befasst, der sperrige Titel lautet “Grundlegende Elemente einer Didaktik der Wirtschaftserziehung – Wissenschaftstheoretische Voraussetzungen, Probleme der Curriculumentwicklung, Strategien zur unterrichtlichen Realisation.”

Kaminski argumentiert unter anderem, dass Kinder es früher denn je mit wirtschaftlichen Situationen zu tun bekommen (Stimmt). Er ist der Meinung, Verschuldung und unkritischer Konsum von Jugendlichen seien Anzeichen für Überforderung und fehlendes kritisches Verständnis (ach?) und überhaupt würde die Welt ja viel zu komplex, um ökonomisch ungebildete Konsumenten auf sie loszulassen. Der Professor weitet derlei Feststellungen sogar aus auf den – ohne ihn zu zitieren – “unmündigen Bürger” Kants, wenn er sagt, auch viele Bürger stünden der steigenden Komplexität wirtschaftlicher Strukturen und Prozesse mit geradezu beunruhigender Verständnis- und Orientierungslosigkeit gegenüber.

Soweit, so gut. Recht hat Kaminski, wenn er die These vertritt, dass Kenntnisse des Zusammenhangs von Systemstruktur und Systemoutput, also Kenntnisse grundlegender wirtschaftstheoretischer Hypothesen und wirtschaftssystempolitischer Konzeptionen helfen, Ursachen und Bedingungen der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft zu erfassen.

Aber: Wenn der Herr Professor sich dann auf ethisches Terrain wagt, sträuben sich mir derartig die Nackenhaare, dass es nach Waldbrand klingt. Da unterscheidet er zwischen Individual”moral” (Also Normen, die bereits als “gut” und “böse” bewertet wurden – und die hier aber nicht wirklich etwas zu suchen haben. Denn es geht um die Handlungsebene – und die ist meines Erachtens in erster Linie wertfrei.), und einer, die ich behelfsweise Institutionen”moral” nennen will. Erstere bezeichnet die Leitlinie für das Handeln des Individuums, während Kaminski mit letzterer auf das Regelsystem und seine Anreizwirkungen innerhalb der Organisationsstruktur rekurriert. Kurz: auf das politische System.

Er behauptet, in den Schulen würde bislang vor allem das erste Modell implementiert. Sprich: Dort würde gelehrt, dass, wenn jeder sich moralisch verhält – Kaminski polemisiert hier, indem er die Problematik banalisiert und auf die Formel “Edel sei der Mensch, hilfreich und gut” verkürzt (scheinbar hat er noch nie von Weber oder Kant gehört… ) – dann wird auch die Gesellschaft eine gute sein. Seiner Auffassung nach – ist es dem Alter geschuldet, dass er nach wie vor dem zunehmend überholten Modell des homo oeconomicus anhängt? Schade, dass Herr Dahrendorf ihm nichts mehr wird entgegnen können! – reichen derartige individual”moralische” Appelle nicht aus, um epochaltypische Probleme wie zum Beispiel künftige energiepolitische Herausforderungen zu bewältigen.

Kaminski sieht die Lösung dieser Probleme lieber in Restriktionen und Anreizmodellen – denn dann wäre es nicht fehlendes “moralisches” Wollen, sondern die fehlende Anreiz- oder Belohnungsstruktur, die “moralisches” Handeln verhindert (Hervorherbung der Verfasserin).* Damit aber würde die Kategorie “Moral” auf der individuellen Ebene überflüssig.

So. Der Herr Professor kann das so sehen. Ich halte das aber für nicht überzeugend. Denn der Herr Professor entlässt damit den Einzelnen – jedes einzelne Individuum einer Gesellschaft! – aus seiner Verantwortung. Damit widerspricht er sich selbst: zuerst kritisiert er den unmündigen Bürger, der mit der Komplexität der wirtschaftlichen Strukturen überfordert ist. Anstatt jedoch für lückenlose Aufklärung zu plädieren, im Vertrauen darauf, dass der aufgeklärte Konsument die vernünftige – in seiner Kategorie: moralische – Entscheidung dann schon treffen wird – entmündigt er ihn sofort wieder. Denn wenn er mangelnde Anreizstrukturen beklagt, spricht er dem Individuum jegliche Reflexions- und Entscheidungsfähigkeit ab. Der Mensch ist demnach nie dazu in der Lage, das “moralisch” Richtige zu tun. (Wozu gibt es Ethik, als Reflexion über Moral?) Womöglich stellt ihm sein Menschenbild hier schlicht ein Bein?

Schade, dass Kaminski sämtliche Studien übersieht, die darauf hinweisen, dass “moralisches” Verhalten – gemeint im Sinne von: ein Handeln, dem Reflexion über die Handlungsmaximen vorausgegangen ist – dem Menschen nicht beigebracht werden muss, sondern seinem Wesen inhärent sein kann. Interessant ist auch, dass er in einer Welt, in der sich gerade ökonomische Zusammenhänge längst nicht mehr an nationale oder geographische Begrenzungen halten, stärkere Reglementierungen (nichts anderes sind Anreizstrukturen) fordert. Denn welcher Akteur, wenn nicht der Staat könnte diese durchsetzen? Nebenbei wäre hier noch zu fragen, wie denn zu gewährleisten ist, dass der Staat auch “echt” “moralische” Anreizstrukturen setzt. Oft genug hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten gezeigt, dass moral-hazard-Probleme (wunderbar gezeigt mit der der Tragik der Allmende) die besten Anreizstrukturen torpedieren und oft zum Gegenteil des Gewollten führen.

Indirekt fordert Kaminski also einen Bürger, der weiß, dass es seine Pflicht ist, zu konsumieren – und zwar ausschließlich so, wie der Staat es möchte. Es erinnert ein wenig an die Schöne neue Welt eines Aldous Huxley, wenn er damit sogar schon Schüler indoktrinieren möchte… denn, so sehr ich mir ein Schulfach “politische Ökonomie” wünsche, in der es tatsächlich um Aufklärung geht, so sehr bin ich der Auffassung, dass das Ziel nicht das sein kann, was Kaminski vertritt: den Schüler dazu zu bringen, ausschließlich so zu funktionieren, wie der Staat es möchte. Neben den hier kurz andiskutierten Schwierigkeiten ist das schlicht un”moralisch” – aber das ist meine persönliche Ethik, und somit eine Kategorie, deren Geltung der Herr Professor für seine Person durchaus bestreiten kann.

* Hier schließt sich die Frage an, um welche Inhalte der Moral es nun eigentlich geht. Welche Normen gelten? Und warum, will sagen: mit welcher Ethik – wer hat warum diese Normen als “gut” oder “böse” gewertet?

PS: Alle potenziellen Plagiate dieses Blogeintrags entstammen dem eingangs genannten Essay des Herrn Professors, ausgenommen die Verweise auf die zitierten Denker und Autoren (Kant, Weber, Dahrendorf, Huxley).





… und ewig lockt die Steuersenkung….

23 06 2011

Schade. Gerade fing ich an, die FDP sympathisch zu finden. Ja, ich oute mich, mir drohten diese jungen Kerle, die so wie die netten, verantwortungsbewussten Jungs von nebenan wirken, langsam wirklich ans Herz zu wachsen. Oder so was ähnliches.

Und jetzt?

Jetzt ist der Geist von Westerwelle in sie gefahren. Und der Koalitionspartner? Muss schon wieder Wahlkampf machen… wie gesagt: Sehr schade.

Zu den Fakten:
Fakt ist, unser Steuersystem ist nicht optimal. Fakt ist, das optimale Steuersystem gibt es nicht. Fakt ist auch, dass die mittleren Einkommen zu sehr belastet werden. Fakt ist aber auch, dass die letzte Entlastung noch nicht so wahnsinnig lange her ist. Fakt ist ganz nebenbei, dass wir uns noch nicht lange von einer Krise erholt haben, oder sagen wir: noch sind wir, will sagen: Deutschland, rekonvaleszent. Ja, es sieht gut aus, keine Frage – aber in einer Welt, in der das kurze Gedächtnis der Banken schon wieder den nächsten Hype zu befördern droht, und in der es immer noch recht einfach ist, an einen Kredit zu kommen… sind da Steuersenkungen eine gute Idee?

Ganz abgesehen davon, dass die Euro-Welt gerade zu implodieren droht: Irland gefährdet, Griechenland quasi bankrott, Italien auf einem ähnlichen Weg, Spanien bedroht – und Großbritannien feixt sich eins ob seines ach so konservativen Festhaltens am Pfund. Auch wenn das die Lage vermutlich nur bedingt verbessert. Was ich damit sagen will: Um uns herum gehen reihenweise Staaten pleite. Wir retten sie – oder versuchen das zumindest, mit abenteuerlichen Konstrukten. Unser eigenes Staatsdefizit ist beschämend hoch, und die so positiv herbeigelobte Tatsache, dass unsere Neuverschuldung in den nächsten Jahren niedriger ausfällt als erwartet, ist nicht geeignet, das Staatsdefizit auch nur im entferntesten abzubauen. Und deswegen senken wir jetzt erstmal Steuern?

Dann habe ich da etwas nicht verstanden. Denn jeder Unternehmer, der etwas auf sich hält, würde in dieser Situation ersteinmal zusehen, dass er seine Schäfchen ins Trockene bringt. SPrich: Seine Kredite tilgt, und wenn möglich mit einem Teil der Einkünfte Kapital bildet. Erst dann würde er über Investitionen nachdenken – und dann auch nur investieren, wenn es sich um ein überschaubares Risiko handelt. Nun ist der Staat kein Unternehmen – aber immer mehr Politiker scheinen ihn so führen zu wollen. Das könnte ein Problem sein.

Es ist ja nicht so, dass ich uns nicht mehr Kaufkraft, sprich: mehr netto gönnen würde. Auf keinen Fall. Die Frage ist aber doch, ob es nicht andere MIttel und Wege gibt, den Bürger finanziell zu entlasten. Oder, sozusagen zu Kompensationszwecken für entgangene Staatseinnahmen, eine hohe Alkoholsteuer einzuführen. Da würde ich die FDP erst recht wählen: ein bisschen niedriegere Einkommenssteuer, oder höhere Freibeträge – aber dafür mal eben 5% Wein-, Bier- und Spirituosensteuer. Der Deutsche hat ja schließlich auch sein Auto nicht stehen lassen, als der Sprit teurer wurde.

Mit dem eingenommenen Geld könnte man dann zum Beispiel Kinderbetreuungsplätze finanzieren – so dass der Bürger NIX dafür bezahlen muss. Damit löste sich dann auch gleich das Problem des Fachkräftemangels, denn Mütter und Väter könnten dann ja beide gleichermaßen arbeiten. Oder man sorgte dafür, dass es weder durch Schul- noch durch Uni-dächer tropfte. Und könnte gleich die Studiengebühren wieder abschaffen, zumindest so lange, bis ein vernünftiges System dafür gefunden wird und sich die Lehre wirklich verbessert. Möglich wäre auch, einen Teil davon in die Pflegekassen zu investieren – dann bräuchten wir die Pflegereform auch nicht mehr. Und damit wären nun wirklich alle entlastet. Ob das gerecht ist? Das ist sicher eine andere Frage…

Eine andere Frage ist aber auch, warum Steuern immer als Zumutung empfunden werden. ich finde Steuern ja durchaus vernünftig – ich freue mich, dass ich keine Autobahngebühr bezahlen muss, dass ich eine staatsfinanzierte vernünftige Schul- und universitäre Bildung erhalten habe, und dass vor 20 Jahren der Eintritt ins Schwimmbad meines Heimatortes 1,50 DM betrug.

Noch eine andere Frage wiederum ist, warum der Staat die Steuer nicht als das nutzt, was sie ihrem Wortsinne nach einmal gewesen zu sein scheint: ein Steuerungsinstrument. Also ein Mittel, den Bürger dazu zu bringen, Dinge zu tun, die er sonst nicht machen würde. Zum Beispiel, im Sinne eines Gemeinwohls zu handeln. Vielleicht ist der Bürger aber auch bereits zu intelligent dafür – und lässt sich nicht mehr steuern. Nur: dann ist eine Steuersenkung erst recht unnötig. Denn ein Bürger, der sich nicht steuern lässt, der lässt sich auch nicht durch Steuergeschenke zur Wahl einer bestimmten Partei oder Koalition drängen.





Frau Merkel stolpert über ihre eigene Freude – “Politischer Tod im Kampf?!”

4 05 2011

Eine kleine Polemik

Wir schreiben das Jahr 2011. Die westliche Welt hat sich christlichen Werten verschrieben. Dazu gehören Nächstenliebe, “Du sollst nicht töten”, Barmherzigkeit, die andere Wange hinhalten und so weiter. Entsprechende christliche Werte werden angerufen, als die britische Monarchie mittels Prinzenhochzeit die Erbfolge sichert.

Ein Mensch wird “im Gefecht getötet”. Zugegeben, es handelt sich bei diesem Menschen um einen, dem Menschenleben, insbesondere das Menschenleben der Ungläubigen, nichts zu bedeuten schien. Von dem man glaubt, zu wissen, dass er den Westen und seine Säkularisierung gehasst hat. Einer, den man, hätte man ihn als Hassprediger in einer deutschen Fußgängerzone ohne die Ereignisse des 11. September 2001 gehört, wohl etwas schräg gefunden, aber wohl eher noch milde belächelt hätte. Nun, die Ereignisse vor 10 Jahren lassen dies heute  – wohl zurecht – nicht mehr zu.

Wie reagiert die Welt? Die Welt – sie jubelt. Amerikaner sind “glücklich”, einige der Betroffenen überkommt ein “ganz unchristliches Gefühl der Rache” (wobei die Dame wohl eher meinte: Genugtuung), und Pakistan hat ein schlechtes Gewissen. Dem Westen gegenüber. Und selbst in Deutschland sagt eine, die – so rein theoretisch – für christliche Werte steht (wobei ihre Vergangenheit durchaus die Frage zulässt, wie das überhaupt “so richtig” sein kann), sie freue sich, dass es gelungen sei, diesen Menschen zu töten.

Dieser Satz kann meiner Ansicht nach Frau Merkel ihre Wiederwahl kosten. Auch wenn die politischen Kommunikatoren und ihre Parteifreunde sich nun beeilen, die Sache richtigzustellen, sie in den – zweifelohne richtigen! – Kontext von “Von diesem Menschen geht keine Gefahr mehr aus” zu stellen: semper aliquid haeret. Zu Recht.

Denn: Ein Land, in dem die Todesstrafe vor über 60 Jahren abgeschafft hat, das die Erklärung der Menschenrechte als eines der ersten unterzeichnet hat, dass sich eine reine Bundeswehr (keine Armee!) gegeben hat, die nur im Verteidigungsfall eingesetzt werden darf (durfte…) – dessen Repräsentanten dürfen sich unter gar keinen Umständen im Eifer des Gefechts dazu hinreißen lassen, derartige Wertungen abzusondern. Die derzeitige Situation verschärft sich durch den Fauxpax eines gewissen Herrn W., seines Zeichens Außenminister. Dieser hat durch eine Äußerung, die den Anschein erweckte, im Zustand geistiger Umnachtung getätigt worden zu sein, bereits großen Flurschaden auf internationaler Ebene angerichtet. Die Bundesrepublik ist in Misskredit geraten, in der Diktion einiger weniger (leider ebenfalls wenig reflektierter Zeitgenossen) wurde sie als “Fortsetzung der Achse des Bösen” bezeichnet.

In diese Situation hinein freut sich unsere Kanzlerin über die zumindet fragwürdige Tötung eines Terroristen unter bislang nicht ganz geklärten Umständen. Welche Folgen hat das? Deutschland macht sich in seiner Verurteilung der Todesstrafe und in seinem Kampf für die Menschenrecht vollkommen unglaubwürdig. Gleiches gilt für den “Kampf für Demokratie” – Demokratie ist in unserer Vorstellung untrennbar mit Rechtstaatlichkeit verknüpft. Das heißt: Deutschland wird in nächster Zeit möglicherweise zwar als “guter Verbündeter” der Amerikaner betrachtet  – aber mehr auch nicht (mehr). Damit bringt sich Deutschland auf internationaler Ebene in eine unangenehm schwache Position – egal um welche Art Verhandlungen es künftig gehen wird.

Es bleibt zu hoffen, dass die Kanzlerin sich damit in der Tat ihr politisches Grab, wenn nicht geschaufelt, so doch immerhin die Grabstelle gekennzeichnet hat. Denn entweder, sie hat geglaubt, was sie gesagt hat. Dann ist sie für dieses Land nicht weiter tragbar. Dieses Land kann sich keinen Chef der Exekutive leisten, der (noch) “Exekutionen” befürwortet. Oder: sie hat sich verplappert. Auch dann ist sie für dieses Land nicht mehr tragbar. Dieses Land kann sich keinen Chef der Exekutive leisten, der zu dämlich ist, sich vor einem Statement von seinen Kommunikationsleuten beraten zu lassen. Und der durch diesen Fehler die Glaubwürdigkeit der deutschen Regierung nach innen wie außen enorm beschädigt, nebenbei dem Rechtstaat eine Breitseite verpasst, und die Menschenrechte mit Füßen tritt.





Früher… oder:Wie ich begann, von Energiesubsistenz zu träumen

18 04 2011

Früher, damals, zu Studienzeiten: Da ging es beim Packen darum, ob ich alle Klamotten für alle möglichen (und unmöglichen) Tätigkeiten, die ich möglicherweise an einem einzigen Wochenende ausüben wollen könnte, dabei hatte. Also: “normale” Klamotten, aber auch: Schwimmsachen, Reitsachen, Joggingschuhe, Wanderschuhe, ein Kleid für’s Theater… usw. Außerdem war wesentlich, mindestens die wichtigsten drei Texte für die drei Seminare der Folgewoche im Gepäck zu haben. (Der geneigte Leser möge wahrnehmen, was NICHT auf der Liste steht).

Heute, jetzt, zu Berufszeiten: Da geht es beim Packen darum, nicht nur das eigene Handy plus Ladegerät dabei zu haben, sondern daran zu denken, dass das beruflich bedingte Mobilfunkgerät einer anderen Marke angehörig ist, folglich ein eigenes Ladeinstrument verlangt. Und es geht auch nicht nur darum, das eigene Netbook samt Ladekabel in die Tasche oder den Koffer zu quetschen, sondern ebenfalls daran zu denken, dass “Büromobilteil” wieder mit in selbiges zu bringen. Selbstverständlich auch da besser mit Kabel als ohne, auch wenn dazu zwei existieren (es könnte ja sein, dass auf den knapp vier Stunden Fahrt ein Konzept geschrieben werden muss. Sonntagabends. *hüstl*). Dann sind natürlich Kopfhörer notwendig – bei den ganzen mobilen Kommunikationswerkzeugen MUSS man ja auditiv ab-, oder eher anschalten. Aber damit das auch klappt, fehlt noch etwas… richtig, der externe Datenspeicher.

Damit aber nicht genug: Auch erprobte Pendler sind im April einfach überfordert. Nicht zuletzt, weil die Republik einheitliches Wetter verweigert. Gestern am Arbeitsort im T-Shirt durch die Stadt gehüpft, heute am Heimatort im Dreischichtsystem noch gefroren (Ostwind). Und da soll frau gesund bleiben…!

Aber zurück zum Thema. Obwohl ich mich an Varianz und Diversität erfreue, bin ich sehr glücklich darüber, dass die Hersteller von Mobiltelefonen sich angeblich darauf geeinigt haben, künftig nur ein einziges, universelles Netzteil zur Verfügung stellen zu wollen. Anders herum: Dass es einen Standard geben soll, quasi die universelle USB-Schnittstelle am Telefon, über die das Gerät mit Strom versorgt wird. (Ob es sich nun um eine USB-Schnittstelle handelt, sei dahingestellt – so stelle ich es mir jedenfalls vor. Nach einschlägigen Erfahrungen mit iphones und anderen über USB mit Strom zu versorgenden Kleinstgeräten hoffe ich jedoch, dass man eine andere, überlegene Technik einsetzen möchte.) Ich frage mich allerdings, ob ich diesen immensen Sprung in der mobilen Lebensqualität noch erleben werden. Denn dunkel erinnere ich mich daran, dass die zugehörige Debatte bereits seit Jahren geführt wird. Ohne, dass es bislang zu irgendwelchen technischen Änderungen oder gar Erleichterungen gekommen wäre.

Was ich mich frage: Warum dürfen Laptop-Hersteller weiterhin zu jedem einzelnen Laptop ein individuelles Netzteil verkaufen? Vielleicht sogar zu jeder Baureihe? Wenn wir ehrlich sind, ist es doch egal, ob wir über Telefone oder Rechner reden. Es mag vielleicht Unterschiede in der Größe geben, die Innereien dürften kaum mehr auseinanderzuhalten sein. Folglich plädiere ich für das einzige, völlig universell einsetzbare Ladekabel. Meine Zukunftsvision, die erste – für die nähere Zukunft: ich brauche nur noch ein einziges Ladekabel, und das kann mit meinem privaten Rechner genau so wie mit dem meines Arbeitgebers, mit meinem privaten Handy ebenso wie mit “meinem” Smartphone, mit meinem MP3-Player und meiner Kamera, und es ist sogar so tolerant, dass auch meine apple-vernarrten Freunde es benutzen können, wenn sie zu Besuch sind. Also, liebe Entwickler: RAN DA!!!

Meine Zukunftsvision, die zweite – für die hoffentlich-nicht-mehr-ganz-so-ferne Zukunft: jedes Mobilgerät hat eine Solarzelle auf dem “Dach”. Oder lässt sich an den Dynamo vom Fahrrad anschließen. Akku leer? Handy zwei Stunden ins Tageslicht legen, reicht wieder für einen halben Tag. Oder halt mal eine halbe Stunde Radfahren gehen. Energiesubsistenz… das Konzept der Zukunft!





Frisch, frischer, eiskalt?! Zum inflationären bedeutungsverändernden Gebrauch altgedienter Worte

23 03 2011

Sind die noch frisch?“ fragt der Kunde stets bei Feinkost Zipp. Frau Werwolf antwortet routiniert „des g’hert sooo … [knurr]“ Meistens – aber beileibe nicht immer – bezieht der Kunde sich bei seiner skeptischen Nachfrage auf die Qualität, oder besser: das Alter des von ihm zu erwerben gedachten Gemüses oder Obst.

Ein Thesaurus befindet zum Suchwort „frisch“ wie folgt: „frisch – kalt – kühl“, „der letzte Schrei (ugs.) – frisch – innovativ – modern – neu – neuartig – neumodisch – originell“, „frisch – grün hinter den Ohren (ugs.) – jung – neu – unbeschlagen (ugs.) – unerfahren“, „frisch – lebendig“.

Eine Agentur wirbt mit „Frische Ideen – Frische Konzepte“.

Ein Arbeitgeber sucht „Frische Gesichter“.

Ein internes Projekt schimpft sich „Agentur frische Ideen“.

Kosmetikfirmen bewerben Gesichtspflege „Für ihren frischen Teint“.

Ich frage mich: was soll das? Ich finde es ja schön, dass ein Wort so viele verschiedene Bedeutungen hat. Aber dass die Menschheit nun beginnt, es in jedem passenden wie unpassenden Kontext zu verwenden, sorgt bei mir persönlich für Unmut und Verwirrung.

Denn: Wenn’s draußen frisch ist, ist es kalt. Eine fußkalte Wohnung ist aber mitnichten frisch. Ebensowenig wie kalter Kaffee, der ist auch alles andere als frisch (in Bezug auf Kaffee heißt frisch nämlich heiß, neu gebrüht). Und ein frisches Gesicht im Kollegenkreis, oder gar in der politischen Landschaft – das muss keineswegs eines sein, hinter dessen Ohren noch grün klebt.

Frische Ideen, frische Konzepte – kalt? Na, ich weiß nicht. Da „kalt“ ja mittlerweile auch gern mit „schattig“ verwechselt wird, ist ja so die Frage, ob nicht bald von „schattigen Ideen“ die Rede ist. Und was haben derartige Ideen mit meiner Gesichtsfarbe zu tun? A propos Gesicht: frischer Salat ist grün (oder rot, oder gelb, je nach Sorte) – im Gegensatz zu braunem Sapschsalat. Mein Gesicht ist mir aber braun(gebrannt) sehr viel lieber als grün (oder rot, oder gelb)…

Hoffen wir für die Kosmetikindustrie, dass die Konsumenten nicht grün dabei werden, und dass es in Agenturen nicht plötzlich saukalt wird…





Was meine Miete mit der Infrastruktur des südlichen Afrika zu tun hat (oder: Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt, Teil 2)

18 02 2011

Die Positivmeldung: Ich habe eine neue Wohnung. Eine sehr schöne Wohnung, in einem frischsanierten Altbau, der in einem angenehmen Viertel steht – genau dort, wo frau guten Gewissens behaupten kann, “nicht mehr im Szenekiez” zu wohnen (das hat frau in meinem Alter ja auch nicht mehr nötig *sanfterröt*), aber eben auch noch nah genug “an” der Szene, dass klar ist: frau gehört noch nicht zum alten Eisen. Mit einem brandneuen Badezimmer, mit wunderschönen Dielen, einem Südwestbalkon… wunderbar.

Der Dämpfer: Der Altbau befindet sich im Besitz eines Immobilienfonds. Ein FONDS!!! (Der geneigte Leser mag sich erinnern: Hedgefonds, Immobilienfonds, Fonds schlechthin…genau, die Übeltäter des Jahres 2009). Einiges an Recherche hat ergeben, dass der Name dieses Fonds sich lediglich durch eine Zahl von anderen Firmen ansonsten baugleichen Namens unterscheidet. Insofern ähnelt er französischen Königen. Ich habe allerdings noch nicht klären können, ob es sich bei den anderen Firmen ebenfalls um Immobilienfonds handelt. Fall ja, sei an dieser Stelle der Hut vor dem Pragmatismus der Namensgeber gezogen (Memo an mich: Kinder durchnummerieren, sobald Kinderzahl n>1!), ihnen aber gleichzeitig mangelnde Kreativität vorgeworfen. Und mangelnde Risikostreuung.

(Exkurs: Bei meinen Nachforschungen bin ich auch auf insititutionelle Anleger mit so klangvollen Namen wie “Aragorn” oder “Eragon” gestoßen… nach “Nimbus 2000″ oder “Mad Eye” habe ich allerdings vergeblich gesucht. Die Namensgeber scheinen entweder amerikanischer Provenienz zu sein, oder “ernsthafte” Fantasy zu bevorzugen.)

Was ich hingegen herausfinden konnte, war die “Heimat” des Fonds, sowie das Hauptanlagegebiet. Und beides ließ mich stutzen. So ist der Fonds auf der Isle of Man angesiedelt. Dort kann man nicht nur wunderbar Urlaub machen oder Golf spielen (wenn man kann), sondern auch zu sehr günstigen Offshore-Konditionen Firmen melden, Gelder investieren und sich überhaupt ein finanziell entspanntes Leben machen. Die Isle of Man ist sozusagen ein Sonnenbalkon der Londoner City, bzw. der London Stock Exchange. “Mein” Fonds ist nun gelistet als Partner einer Investment-Firma, die ihre Gewinne generiert, indem sie in Infrastrukturprojekte investiert.

Wo? Genau. In Sub-Sahara Afrika.

In der Argumentation für den Anleger (Warum die Sub-Sahara Region?) heißt es, frei übersetzt:

Der Reichtum an natürlichen Ressourcen – Die Region wird zum Schlüsselpartner, für die westliche Welt ebenso wie für Indien und China

Das neue Risikoprofil – Hohe und stabile GDP-Wachstumsraten

Fehlendes Investment – Die Region hat einen erhöhten Bedarf an Infrastruktur, um ökonomische Vielfalt zu erhalten, und vor allem, um ihre Exporte zu transportieren.

Opportunities – Es herrscht eine Diskrepanz zwischen der allgemeinen Risikowahrnehmung in der Region und der Realität. Daher bieten sich gute Möglichkeiten, selektiv in “high return projects” zu investieren.

Aha.

Da wird nun also der Gewinn, den meine Miete abwirft (ja, die qm-Miete IST höher als in den umliegenden Häusern), in so hübsche Dinge wie panafrikansiche Bahn-Leasingfirmen in Südafrika investiert, oder auch in verschiedene Telekommunikationsfirmen in Tansania oder Burundi. Und daneben auch in Energie, oder Healthcare und Arzneimittel.

Prinzipiell ist dagegen auch erstmal nichts einzuwenden. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass ich von herkömmlicher Entwicklungshilfe nach dem Gießkannenprinzip wenig begeistert bin, erst recht nicht. Aber. Ein kleines moralisches Stimmchen in mir meldet sich und fragt: Ist das ok so? Und das stellt mich gerade vor ein, doch, ethisches “Problem”.

Gesetzt den Fall, es handelt sich um einen A***-Fonds. Einen, der unerträgliche Konditionen formuliert, der enorm hohe Renditen erwartet, und bei Nicht-Erfüllung sofort sein Kapital abzieht und sozusagen “halbe” Infrastruktur zurücklässt: Will ich das unterstützen? Selbst wenn es ein “humaner” Fonds wäre, mit langfristiger Investmentstrategie, einem Fokus auf die Entwicklungen nachhaltiger Lösungen für die Region… hm. Die Reflexion spitzt sich auf die Frage zu: Darf die westliche Welt – in diesem Fall: Ich – an der nachzuholenden Entwicklung in anderen Weltregionen geld verdienen? Oder: sich daran bereichern?

Bislang bin ich da noch zu keinem Ergebnis gekommen, außer zu dem, dass ich trotzdem erstmal in die Wohnung ziehen werde. Schließlich fahre ich auch im Mercedes mit, obwohl ich damit indirekt die Rüstungsindustrie unterstütze…





Frauen, das feige Geschlecht?

15 02 2011

Hm. Bascha Mika sagt: “Raus aus der Komfortzone, ihr feigen Frauen! Ran an die Vorstandsposten!” Im Feuilleton der letzten Wochen heiß diskutiert, macht sie den großen Feind der vollendeten Geschlechtergleichberechtigung aus: die Frauen selbst. Sie seien, so Mika, zu feige, oder auch zu bequem, als dass sie sich der Verantwortung und dem Stress in den Vorstandsetagen widmen wollen.
Wie praktisch! Wie überaus geschickt! Und so dem “Patriarchat” doch wieder in die Hände spielend. Ihr Frauen, ihr könntet doch, wenn ihr nur wolltet! Tja.

Ist das so, Frau Mika? Das frage ich mich wirklich. Über die Zerrissenheit der modernen Frau zwischen Job und Familie ist ausreichend geschrieben worden. Aber darüber, was Gleichberechtigung und Emanzipation realiter bedeuten, verliert sich die Debatte in dogmatischen und theoretischen Konstrukten. Theoretisch ist alles ganz einfach: die Gesellschaft muss nur die äußeren Bedingungen schaffen, dann werden die Frauen schon in Führungspositionen gelangen, und – schwupps! – ist Gleichberechtigung Realität. Also gibt es Kindergeld, Elterngeld, ein paar mehr Kita-Plätze… und wenn das jetzt nicht dazu führt, dass die Zahl weiblicher Vorstände steigt, nun, dann muss das an den Frauen liegen. Klar.

Wie sieht das denn nun in praxi aus? Da gibt es Frauen, die mit Männern eine Familie gründen. Naturgemäß – und weil sie etwas vom Aufwachsen ihrer Kinder miterleben wollen – bleiben die Frauen nach der Geburt des Kindes zunächst, sagen wir, etwa ein halbes Jahr zu Hause (und das ist schon reichlich ambitioniert!). Dann beginnen sie in Teilzeit, wieder zu arbeiten. Bleiben wir bei der ambitionierten Idee, dass sie dies für etwa 30 Stunden tun können, zum Beispiel, weil ihre Männer regelmäßig früh genug aus dem Büro kommen, sie im Osten der Republik beheimatet sind (und daher einen Betreuungsplatz für das U3-Kind ergattern konnten), und durch die beiden Gehälter dazu in Lage sind, sich eine Haushaltshilfe zu leisten.

In der Kita greift das Kind nun regelmäßig und altersangemessen eine ordentliche Dosis Viren ab. Die es erst selbst flachlegen, nur um danach die Altvorderen dahinzuraffen. Denn die müssen nun – keine Kita nimmt freiwillig kranke Kinder auf – als Betreuer einspringen. Die Folge: eine hohe Zahl an Krankentagen, dazu der Stress, den ein krankes Kind nun mal bedeutet.

Wir haben also eine Frau, die durchaus karrierebewusst ist, sonst hätte sie nicht so direkt nach der Geburt des Kindes wieder anfangen wollen zu arbeiten. Das trägt ihr die Anerkennung ihrer Kollegen ein – zumal sie leistungsstark ist, und außerdem die genuin männlichen Strategiespielchen früh durchschaut hat und zu ihren Gunsten zu beeinflussen versteht. Nun wird ihr, gleichsam als Belohnung für früheren Einsatz und die Tatsache, dass sie direkt wieder in den Job eingestiegen ist, ein Posten auf Führungsebene angeboten. Das bedeutet: Termine außerhalb der regulären Arbeitszeiten (ohne Netzwerke ist man bekanntlich aufgeschmissen). Nicht mehr nur durchschauen, sondern kontrollieren der Strategiespielchen im Unternehmen. Die einzige Frau auf Führungsebene sein. Wissen, wer die am Stuhl sägende Konkurrenz von unten ist – und diese in Schach halten. Es bedeutet auch, sich mit den Männerspielchen auseinanderzusetzen, sogar, mitzuspielen… und insbesondere bedeutet es, die Möglichkeit des Scheiterns mit einzubeziehen.

Denn was passiert im Fall eines Scheiterns? Dann gibt es einen neuen Fall, der bestätigt: Frauen mit kleinen Kindern haben in Führungspositionen nichts verloren!

Also – wer macht’s?

Meines Erachtens hat gerade eine emanzipierte Frau jedes Recht der Welt, in dieser Situation klar und deutlich “Nein” zu sagen, das auch zu meinen, und sich dafür nicht rechtfertigen zu müssen. Menschen können 100% leisten, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Wer für sich selbst entscheidet, dass er, oder in diesem Fall: sie, dort zufrieden ist, wo sie steht – warum soll man sie nach oben zwingen? Und das auch noch unter dem Deckmantel von Gleichberechtigung und Emanzipation?

Eher sind andere Aspekten bedenkenswert. Zentral ist, die MÖGLICHKEIT zu schaffen, dass frau, wenn sie mit Kind den Aufstieg möchte, diesen auch durchziehen kann. Managementposten teilen. Wenn ein Unternehmen so flexibel ist, wichtige Meetings regulär erst um halb sieben abends stattfinden zu lassen – warum dann nicht um halb neun? Die Kurzen schlafen dann, und frau kann per Videoskype zugeschaltet werden. Kunden auch mal warten lassen – wenn morgens der Auftrag kommt “Bis zwölf brauchen wir…” die Dinge eben nicht bis um zwölf machen – sondern von vornherein ein vernünftiges Timing absprechen.

Gibt es eine emanzipierte Art von Führung oder Führungsstil? Oder besser: ist eine solche Art bereit implementiert? Ich denke nicht. Also folgt die Frage: Kann eine vom Wunsch nach realer Gleichberechtigung und Emanzipation beseelte Gesellschaft eine Frau vor diesem Hintergrund in die Führung zwingen? Sie also zur Speerspitze eines neuen, weiblichen Führungsstils machen – die nun bekanntlich als erstes abbricht? Ich denke nicht, liebe Frau Mika.

P.S.: Ich denke eher, es ist an der Zeit, generell darüber nachzudenken, ob der Führungsstil und unsere Art zu wirtschaften, noch adäquat sind. Ich denke, es ist an der Zeit, zu überlegen, was Emanzipation bedeutet – nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. Ein Vorschlag: Emanzipation bedeutet die Freiheit, “Nein” zu sagen. Für alle. In (fast) jeder Situation.








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